Einsatz barrierefreier Technologien, um Schülern den Zugang zu Bildung zu ermöglichen
Für viele von uns macht Technologie das Leben einfacher, schneller oder angenehmer. Für unzählige Schüler in Klassenzimmern weltweit jedoch macht Technologie vieles erst möglich – und sie kann der Schlüssel dazu sein, dass sie ihr Potenzial voll ausschöpfen können.
Heutzutage ist das Angebot an digitaler assistiver Technologie vielfältig und fortschrittlich genug, um Schülern mit Behinderungen und Lernunterschieden den Zugang zum Lernen zu erleichtern. Um nur einige Beispiele zu nennen: Für Schüler mit Sehbehinderungen können Kameras, Zoomfunktionen und Bildschirmlesesoftware Unterrichtsmaterialien wesentlich zugänglicher machen. Für hörgeschädigte Schüler können persönliche Verstärkungssysteme und automatische Untertitel eine klarere Kommunikation und ein besseres Verständnis ermöglichen. Bildunterstützte Texte, visuelle Zeitpläne oder Hilfsmittel zur erweiterten Kommunikation können Schülern mit geistiger Behinderung helfen, die Welt um sie herum zu verstehen. Zudem können Schüler mehr als eine Behinderung haben und daher von mehreren Hilfsmitteln profitieren.
Schaffung inklusiverer Klassenzimmer
Die heutige Bandbreite an Technologien bietet jedem Schüler größere Chancen, am Bildungsgeschehen teilzunehmen – doch zunächst müssen sie Zugang zu dieser Technologie erhalten.
Assistive Technologie hat noch immer nicht den Weg zu vielen der Schüler gefunden, die sie am dringendsten benötigen. Im Jahr 2023 schätzte die britische Regierung, dass allein in England 1,5 Millionen Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf hatten. Diese Zahl ist von Jahr zu Jahr gestiegen. Vor diesem Hintergrund ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir in Hilfsmittel und Methoden investieren, die diesen Schülern die Bildung ermöglichen, die sie benötigen und verdienen.
Wie kommen wir also von unserem heutigen Stand aus dorthin?
Im Rahmen meiner Arbeit und meiner Forschung habe ich drei entscheidende Faktoren identifiziert, die den Zugang zu assistiven Technologien im Bildungsbereich ermöglichen: allgemeines Fachwissen des Personals, fachliche Unterstützung und Führungsstärke.
Das Bewusstsein dafür ist der erste und wichtigste Schritt. Bevor wir überhaupt darüber nachdenken, Lösungen zu entwickeln oder umzusetzen, müssen Pädagogen wissen, dass es Möglichkeiten gibt, den Zugang zu Technologien anzupassen. Lehrer sind bereits stark ausgelastet und wissen möglicherweise gar nicht, dass es möglich ist, Hardware und Software so anzupassen, dass die Barrierefreiheit verbessert wird – dazu gehört auch die Technologie, über die sie bereits verfügen.
Nachdem diese Hürde genommen ist, müssen wir uns Gedanken über Schüler machen, die möglicherweise weitere Anpassungen benötigen. Hier können Spezialisten für assistive Technologien ins Spiel kommen. Wenn die vorhandenen Ressourcen nicht ausreichen, benötigen die Schüler eine eingehendere Beurteilung oder einen maßgeschneiderten Ansatz. Spezialisten verfügen über Fachwissen zu verschiedenen assistiven Technologien, sowohl im Software- als auch im Hardwarebereich, und können die richtigen Hilfsmittel empfehlen, um Lernlücken zu schließen. Spezialisten können auch als Vermittler fungieren und mit Lehrkräften, Therapeuten und anderen Fachkräften zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass der Zugang der Schüler in allen Phasen und in allen Umgebungen berücksichtigt wird. Dies könnte eine große Hilfe für Lehrkräfte sein, die bereits mit wachsenden Klassengrößen und langen Arbeitszeiten zu kämpfen haben, und ihnen die Unterstützung und das Wissen bieten, um ihren Schülern zum Erfolg zu verhelfen.
Der letzte Teil, die Führung, bringt einen organisatorischen Ansatz und eine klare Zielsetzung mit sich. Wir haben einen Wandel im Bildungswesen beobachtet, bei dem Technologie in Bildung und Pädagogik eingebettet ist; es wäre von unschätzbarem Wert, wenn dies auch auf barrierefreie Technologie ausgeweitet würde. Diese Art der Führung geht über einzelne Schulen oder Hochschulen hinaus und betrifft die Art und Weise, wie wir Bildungsangebote gestalten und Standards festlegen. Ein relevantes Beispiel ist die Universität Aberdeen, die inklusive Pädagogik in ihre gesamte Lehrerausbildung integriert hat, anstatt sie nur in einzelnen Modulen oder speziellen Fortbildungen anzubieten. Die Anwendung dieses Ansatzes, um sicherzustellen, dass barrierefreie Technologie in die Lehrerausbildung und die berufliche Weiterbildung integriert wird, könnte für unsere Schüler einen entscheidenden Unterschied machen. Führungskräfte im Bildungswesen sollten eine umfassendere Sichtweise fördern, wonach barrierefreie Technologie kein zusätzliches „Nice-to-have“ ist – sie ist unerlässlich, damit jeder Schüler eine faire Chance auf Bildung erhält.
Barrierefreiheit neu denken
Die gute Nachricht ist, dass – auch wenn noch einiges zu tun bleibt – das Bewusstsein für die Bedeutung der Barrierefreiheit auf breiter Front gestiegen ist.
Die meisten großen Technologieanbieter – Google, Microsoft und Apple – verfügen über leistungsstarke Barrierefreiheitsfunktionen, die nur darauf warten, in den Einstellungen aktiviert zu werden. Diese Unternehmen legen großen Wert darauf zu zeigen, wie ihre Produkte Schüler unterstützen können und wie integrierte Einstellungen Funktionen ersetzen können, für die bisher Zusatzsoftware erforderlich war.
Innerhalb der Regierung ist das Bildungsministerium sehr offen für Konsultationen zum Thema Barrierefreiheit, wenn neue Ressourcen oder Leitfäden erstellt werden. Es stützt sich dabei beispielsweise auf eine Beratungsgruppe für assistive Technologien, der Pädagogen und Experten der Universität Dundee, der Universität Southampton, von TechAbility und der British Assistive Technology Association angehören. Wir beobachten derzeit verstärkte Bemühungen, diese Hilfsmittel verfügbar zu machen und ihr Verständnis zu fördern.
Doch ohne die gemeinsame Anstrengung aller wird es nicht gelingen, diese Dynamik aufrechtzuerhalten. Um das Potenzial von assistiver Technologie voll auszuschöpfen, brauchen wir ein gesteigertes Bewusstsein und Engagement auf gesellschaftlicher Ebene – seitens Pädagogen, Eltern und politischer Entscheidungsträger.
Wir können diesen Prozess noch heute in Gang setzen, indem wir uns mit den Tools vertraut machen, die bereits in unseren Plattformen integriert sind, und indem wir Diskussionen über bewährte Lösungen und Anpassungen anstoßen. Mit einem Schwerpunkt auf Sensibilisierung des Personals, fachlicher Unterstützung und Führungsstärke können Schulen und Pädagogen dazu beitragen, das Potenzial jedes einzelnen Schülers zu entfalten.
Biografie:
Fil McIntyre unterstützt Organisationen und Einzelpersonen dabei, Technologielösungen bereitzustellen, die das Leben, das Lernen und die Kommunikation verbessern. Er hat Schulungen zu Hardware und Software im Bereich der assistiven Technologie für eine Vielzahl von Fachkräften aus Schulen, Hochschulen, Universitäten, Wohltätigkeitsorganisationen und dem Gesundheitswesen durchgeführt. Im Februar 2021 übernahm Fil die Leitung von TechAbility in Vollzeit, nachdem er drei Jahre lang in einer geteilten Funktion zwischen TechAbility und dem Beaumont College in Lancaster tätig war. Am Beaumont College war Fil als leitender Assistivtechnologe tätig, wo er ein Team leitete, das Studierende begutachtete und dabei unterstützte, den größtmöglichen Nutzen aus der Technologie zu ziehen. Vor seiner Tätigkeit am Beaumont College führte Fil im Rahmen der BRITE-Initiative Schulungen und Support im Bereich Assistivtechnologie an allen Colleges in Schottland durch. Außerdem war er Teil des Schulungsteams bei Inclusive Technology und baute die erste Stelle im Bereich Assistivtechnologie an der Förderschule und dem College des Seashell Trust auf.
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