Die Prüfungserfahrung neu gestalten: Erkenntnisse aus der Umstellung auf das Hybridmodell an der Birmingham City University
Dieser Artikel von Tim Burnett von der e-Assessment Association bietet einen Überblick und eine Analyse des preisgekrönten hybriden Bewertungsmodells der Birmingham City University (BCU). Das Modell der BCU wurde als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie entwickelt und verbindet traditionelle mit digitalen Bewertungsmethoden, um Flexibilität, Barrierefreiheit und akademische Integrität zu verbessern. Burnett beschreibt, wie der konsultative Ansatz die Beteiligten in die gemeinsame Gestaltung des Modells einbezog. Quantitative und qualitative Messungen belegen, dass das neue hybride Modell zu weniger Prüfungsangst und höherer Zufriedenheit geführt hat. Laut Burnett führte die Bereitschaft der BCU zum Experimentieren und zur Anpassung zu bahnbrechenden Ergebnissen, was durch die Auszeichnung des Modells mit mehreren internationalen e-Assessment-Awards im Jahr 2023 belegt wird. Burnett positioniert die BCU als Vorreiterin bei Innovationen im Bereich der Leistungsbewertung und liefert wichtige Erkenntnisse und Anhaltspunkte für Einrichtungen, die nach gerechteren und motivierenderen Bewertungsmethoden im digitalen Zeitalter suchen. Der Beitrag liefert aktuelles Wissen zum Thema „Blended Assessment“ anhand des wegweisenden Beispiels der BCU.
Das „e-Assessment Awards“-Programm nimmt eine einzigartige und globale Stellung ein und dient dazu, die zahlreichen herausragenden Projekte zu präsentieren und zu würdigen, die den Mehrwert verdeutlichen, den Technologie für eine qualitativ hochwertige Leistungsbeurteilung bieten kann – sei es im formativen oder summativen Bereich, mit hohen oder geringen Anforderungen. Die vom British Council gesponserten Auszeichnungen 2023 umfassten alle Bildungsbereiche, von Schulen über die Weiterbildung und Hochschulbildung bis hin zur betrieblichen Ausbildung und zu beruflichen Prüfungen.
Mit 62 Einsendungen aus 12 Ländern und 21 Finalisten zeigten die Awards 2023, in welchem Maße Fantasie, Innovation und Forschung den Wandel in der Branche weltweit vorantreiben.
Besondere Aufmerksamkeit erregte die Birmingham City University (BCU), die in mehreren Kategorien bemerkenswerte Erfolge erzielte. Die BCU wurde mit dem Preis für das beste Transformationsprojekt sowie mit den Auszeichnungen für das beste Team aus der Praxis und die beste Einzelperson aus der Praxis geehrt.
Die Geschichte der BCU
Im Zuge der Pandemie stand die BCU, wie viele andere Einrichtungen auch, vor einer außergewöhnlichen Herausforderung. Die Studierendenschaft war in Bezug auf die Zukunft des Lernens in zwei Lager gespalten. Die eine Hälfte strebte eine Rückkehr zu traditionellen Lehr- und Prüfungsmethoden mit Schwerpunkt auf dem Campus an, während die andere Hälfte die Möglichkeiten des fortschrittlichen E-Learnings begrüßte. Die Lösung? Das Hybridmodell – ein visionärer Ansatz, der darauf ausgelegt ist, diese unterschiedlichen Bedürfnisse zu vereinen und dabei Engagement, Inklusion und Flexibilität zu gewährleisten.
Die Pandemie zwang internationale Studierende dazu, zu Hause zu bleiben, was einen innovativen Ansatz für das E-Learning erforderlich machte. Die Antwort der BCU bestand darin, auf ihrem Pilotprojekt „Digital Assessment Centre“ aufzubauen, das ursprünglich ein kleines Experiment auf dem Campus gewesen war.
Dieses experimentelle Pilotprojekt wurde rasch weiterentwickelt, um den Anforderungen einer Welt nach der Corona-Pandemie gerecht zu werden, und veränderte damit den Bewertungsansatz der Einrichtung grundlegend. Das daraus resultierende Hybridmodell bot einen inklusiven und innovativen Weg in die Zukunft, bei dem traditionelle und digitale Bewertungsmethoden miteinander kombiniert wurden.
Im vergangenen Jahr hat die BCU die digitale Prüfungsabwicklung vollständig eingeführt und führt alle Prüfungen nun mithilfe einer digitalen Prüfungssoftware durch. Bemerkenswerterweise haben sich die Studierenden schnell an dieses Online-Prüfungsmodell gewöhnt, wobei die Mehrheit mittlerweile Fernprüfungen bevorzugt. Weniger als 30 % der Studierenden entscheiden sich für Prüfungen auf dem Campus, was den Erfolg des Modells unterstreicht, aber auch die Notwendigkeit einer inklusiven Herangehensweise deutlich macht.
Da sich die BCU bewusst war, dass es sich hierbei um mehr als nur eine technologische Herausforderung handelte, machte sie es sich zur Aufgabe, alle Beteiligten auf diesem Weg mitzunehmen. Um diesen Übergang zu erleichtern, hat das Team der BCU umfassende Schulungen zur digitalen Bewertung, Workshops und Kurse zur Förderung der digitalen Kompetenz angeboten. Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Die Prüfungsangst hat deutlich abgenommen, was sich in einem Rückgang der Anträge auf Berücksichtigung mildernder Umstände seit der Einführung zeigt.
Das Hybridmodell ist ein dynamisches Konzept, das auf verschiedene organisatorische Ziele ausgerichtet ist, darunter die Verbesserung der Studienerfahrung, die Entlastung des Personals bei der Benotung und die Unterstützung der Immobilienstrategie der BCU. Sein Erfolg wird anhand qualitativer Rückmeldungen von Studierenden und Mitarbeitern sowie anhand von Vergleichen der Einreichungsquoten und der Anträge auf Berücksichtigung mildernder Umstände vor und nach der Einführung bewertet – bislang sind die Ergebnisse positiv.
Die BCU hat das Problem der digitalen Armut erkannt und proaktiv gehandelt. Sie hat einen Fonds zur digitalen Unterstützung ins Leben gerufen, der Studierenden mit einem Haushaltseinkommen unter 25.000 £ Laptops zur Verfügung stellt. Diese Initiative hat nicht nur den Zugang verbessert, sondern auch das Engagement der Studierenden und die Erfolgsquote gesteigert.
Die Umsetzung des Hybridmodells an der BCU war ein komplexes Unterfangen, an dem verschiedene Interessengruppen, Softwareunternehmen, Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter und die Geschäftsleitung beteiligt waren. Klarheit und Zusammenarbeit standen dabei im Vordergrund, wobei die Mitarbeiter bei wichtigen Entscheidungen, insbesondere in Bezug auf die akademische Integrität, eine führende Rolle spielten.
Das Projekt hat das Lernen und Lehren an der BCU grundlegend verändert, indem es den Prüfungsansatz der Universität neu gestaltet hat. Dieses innovative Modell ist zu einem festen Bestandteil der Kultur der BCU geworden und wird von allen Beteiligten als die Zukunft der Prüfungen angesehen.
Der Weg der BCU mit dem Hybridmodell spiegelt ihr Engagement für Experimentierfreudigkeit, Anpassungsfähigkeit und kontinuierliche Verbesserung wider. Die Hochschule entwickelt sich nicht nur als Reaktion auf die Bedürfnisse von Studierenden und Mitarbeitern weiter, sondern passt sich auch an die sich ständig wandelnde Landschaft der Technologie und der Bewertungsansätze an.
Während der Preisverleihung im Juni 2023 gab Ian Castledine von RM, dem Sponsor der Auszeichnung, das Feedback und die Begründung der Jury weiter und erklärte, dass das BCU-Hybridmodell für sein kooperatives und durchdachtes Konzept gelobt worden sei, wobei die internationale Jury anerkannte, dass es klare und messbare Auswirkungen erziele. Die Jury war besonders beeindruckt von der offensichtlichen Leidenschaft des Projekts, bedeutende Veränderungen im Bereich der digitalen Leistungsbewertung herbeizuführen.
Inmitten einer sehr starken Konkurrenz zeichnete sich das BCU-Hybridmodell dadurch aus, dass es den Lernenden in den Mittelpunkt stellte – ein Ansatz, den die Jury als lobenswert erachtete.
Der konsultative Gestaltungsansatz wurde als wesentliche Stärke hervorgehoben, die die Fähigkeit des Modells untermauert, kontinuierlich verbesserte Lernerfahrungen und positive Ergebnisse zu erzielen.
Die Jury würdigte die Bereitschaft des Teams, seine Ergebnisse und Erkenntnisse mit anderen Einrichtungen zu teilen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des gesamten Bereichs der elektronischen Leistungsbewertung zu leisten. Dies wurde als positiver Schritt hin zu gemeinsamer Verbesserung und Weiterentwicklung in diesem Bereich gewertet.
Die Tatsache, dass das BCU-Team zudem von einer völlig anderen Jury – dem Vorstand der e-Assessment Association – mit beiden Praxispreisen ausgezeichnet wurde, unterstreicht einmal mehr die hervorragende Arbeit von Tom Ashmore, Elliot Spence und dem Team der BCU.
Die Nominierungsphase für die „e-Assessment Awards 2024“ beginnt Ende 2023. Das BCU-Team wird auf der BETT-Konferenz 2024 einen Vortrag halten, in dem es weitere Einzelheiten zum Projekt, einschließlich der Messung und Leistungsanalyse, vorstellen wird.
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