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Mathe wieder zum Vergnügen machen

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Mathe wieder zum Vergnügen machen
Weltweit sinken die mathematischen Fähigkeiten der Schüler rapide. Die Leiter des innovativen Mathematik-Fortbildungsprogramms „Everybody Counts“ erklären, was hinter diesem Einbruch steckt und wie wir Abhilfe schaffen können.

Mathematik ist dafür bekannt, dass sie Gefühle der Furcht und Angst auslöst.

Von der „Teen Talk Barbie“ von Mattel, die 1992 den Satz „Matheunterricht ist schwer!“ aussprach, bis hin zu den Äußerungen des britischen Premierministers Rishi Sunak im Jahr 2023 über die schädlichen Auswirkungen einer landesweiten„Anti-Mathe-Einstellung“– in unserer Gesellschaft ist die Angst vor Zahlen seit langem tief verwurzelt. Andrew Ridgeway und Sarah Grainger haben es sich zur Aufgabe gemacht, dies zu ändern.

Als Mitbegründer und Leiter des operativen Geschäfts bei „Everybody Counts“ sprachen Andrew und Sarah mit Bett darüber, was hinter der weltweiten Abneigung gegen Zahlen steckt und – was noch wichtiger ist – was wir tun können, um das Imageproblem der Mathematik zu beheben und den Schülern die Fähigkeiten zu vermitteln, die sie für ihren Erfolg benötigen.

 

Mathematik als unverzichtbare Lebenskompetenz


„Mathematische Fähigkeiten sind für den Alltag unverzichtbar“, sagte Sarah. „Im täglichen Leben braucht man dieses Gespür für Zahlen und diese finanziellen Grundkenntnisse, um erfolgreich zu sein.“


Mathematik ist untrennbar mit unserem Alltag verbunden: ob wir nun ausrechnen, wie lange wir im Stau von zu Hause ins Büro brauchen, die Rechnung nach einem Restaurantbesuch mit Freunden aufteilen oder verärgert feststellen, wie lange wir schon auf einen verspäteten Bus warten. Aber darüber hinaus ist Mathematik entscheidend für grundlegende Lebensentscheidungen, wie zum Beispiel die Aufstellung von Budgets, das Verständnis von Zinssätzen und die Altersvorsorge. Diese Entscheidungen können unseren Alltag prägen und unsere Zukunft bestimmen.

Trotz ihrer Bedeutung in unserem Leben sind die mathematischen Kompetenzen weltweit schlecht – und verschlechtern sich zunehmend. Das „Programme for International Student Assessment“ (PISA) – eine alle drei Jahre stattfindende internationale Studie, die die Fähigkeiten und Kenntnisse von 15-jährigen Schülern in den Fächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften bewertet – zeigte im Jahr 2022 einen drastischen Rückgang der Mathematik-Ergebnisse. Das Leistungsniveau in den OECD-Ländern sank um rekordverdächtige 15 Punkte. Als diese Ergebnisse Schlagzeilen machten, rätselten Pädagogen und Eltern über diesen dramatischen Einbruch und stellten sich alle dieselbe Frage: Was ist im Mathematikunterricht schiefgelaufen?

Für Andrew und Sarah ist die Ursache klar: Pädagogen haben die Aufgabe, den Schülern diese grundlegende Lebenskompetenz zu vermitteln, erhalten jedoch keine Anleitung, wie sie dies effektiv tun können.

 

„In diesem Land sind die Mathematiklehrpläne sehr vorgeben“, erklärte Sarah. „Ein Lehrer steht vorne im Klassenzimmer, hält eine Unterrichtsstunde und zeigt dir, dass du, um von A nach B zu gelangen, diesen Weg mit diesen Methoden gehen musst. Und ‚Maths Mastery‘ ist das genaue Gegenteil davon. Dabei geht es darum, viele verschiedene Wege zur Lösung einer Aufgabe aufzuzeigen, viele verschiedene Ressourcen und Methoden zu nutzen und den Weg zu finden, der für dich am besten funktioniert.“


Andrew und Sarah hoben das erfolgreiche singapurische Bildungsmodell hervor, das den Schwerpunkt auf ein konzeptionelles Verständnis der Mathematik bereits im frühen Kindesalter legt und auch über die ersten Schuljahre hinaus den Einsatz von Lernmaterialien wie Zählsteinen vorsieht, um den Schülern die Mathematik näherzubringen.


„Es ist eher explorativ“, betonte Sarah, „anstatt eines vorgebenen Programms geht es darum, die Methoden zu erkunden und auszuwählen, die für einen selbst am besten funktionieren. Man bekommt quasi verschiedene Wege aufgezeigt, wie man von der ursprünglichen Aufgabe, die einem vielleicht zu Beginn einer Unterrichtsstunde gestellt wird, zur Lösung gelangt, und findet so den für sich besten Weg. Es ist also ein sehr individueller Weg.“

 

„Was in vielen Programmen fehlt, ist dieser konkrete Ansatz – Lernmaterialien, Zählsteine, damit Mathematik wieder Spaß macht“, sagte Andrew. „Ich glaube, bei der Mathematik haben wir uns zu sehr am maschinellen Lernen orientiert und dabei den Kern dessen aus den Augen verloren, was es eigentlich bedeutet, Mathematik zu beherrschen.“

 

Er wies zudem auf das mangelnde Bewusstsein für Dyskalkulie hin, die als spezifische und anhaltende Schwierigkeit beim Verständnis von Zahlen definiert wird. „Nur etwa 2,5 bis 3 Prozent der Kinder mit Dyskalkulie werden tatsächlich erkannt“, sagt er. „Das ist eine große Schande für jene Kinder, die unter Dyskalkulie leiden und keine Unterstützung erhalten.“ Er erklärte, dass Maßnahmen einfach sein können, wie beispielsweise neutrale Hintergrundfarben und legasthenikergerechte Schriftarten, um den Schülern den Zugang zur Mathematik zu erleichtern. 

 

Wir verändern die Art und Weise, wie die Welt Mathematik lernt – Land für Land

Als Pädagogen erkannten sowohl Andrew als auch Sarah die unnötige Angst der Schüler vor der Mathematik und die Einschränkungen, denen Lehrer an Schulen unterliegen. Ihnen wurde klar, dass es, um den Rückgang der mathematischen Fähigkeiten umzukehren, sowohl für Schüler als auch für Lehrer Zeit, Hilfsmittel, Unterstützung und einen neuen Ansatz für den Mathematikunterricht braucht. Das ist eine große Herausforderung, insbesondere für Schulen und Familien, die unter den Belastungen schwieriger wirtschaftlicher Zeiten leiden.

 

„Viele Kinder – 90 % weltweit – können es sich nicht leisten, Mathematik zu beherrschen. So einfach ist das“, sagte Andrew. „Deshalb ist es uns gelungen, ein Produkt zu entwickeln, das auf diesem Markt erschwinglich und zugänglich ist.“


„Everybody Counts“ hat digitale Schulungsinstrumente und Unterrichtspläne für junge Lernende entwickelt, um Lehrkräften und Eltern dabei zu helfen, ihren Unterricht anzupassen. Dank seiner praktischen Erfahrungen im Klassenzimmer hat das Team darauf geachtet, ein Schulungsprogramm zu erstellen, das mehr ist als nur ein Unterrichtplan oder ein theoretischer Kurs – nämlich ein Komplettpaket aus Unterrichtseinheiten, Erläuterungen für Eltern und Lehrkräfte, in denen die Hintergründe der Unterrichtsgestaltung erklärt werden, sowie Unterstützung zur Stärkung von Pädagogen – auch wenn diese selbst keine professionellen Mathematiklehrer sind.

Das Programm zielt darauf ab, Kindern zu helfen, Mathematik schon früh zu meistern, indem der Unterricht von einem vorschreibenden und hierarchischen Ansatz zu einem ansprechenden und interaktiven Ansatz umgestaltet wird. Mithilfe evidenzbasierter Methoden und durch die Veranschaulichung von Mathematik anhand von Aufgaben, die auf alltäglichen, für jedes Land maßgeschneiderten Situationen basieren, konzentriert sich die App darauf, Mathematik für Pädagogen, Eltern und Schüler gleichermaßen attraktiver zu gestalten.

Andrew und Sarah haben festgestellt, dass ihr Angebot fast schneller Interesse geweckt hat, als sie damit Schritt halten können: Sie verzeichnen einen Umsatz in Höhe von Hunderttausenden und 10 Länder haben sich für die Beta-Version angemeldet, wobei die Partnerschaften sich über Kambodscha, Thailand, Ägypten, Marokko und die USA erstrecken.

Sie betonten, dass der Erfolg ihres noch jungen Unternehmens den immensen Bedarf an einem Umdenken in der Art und Weise widerspiegelt, wie wir Mathematik unterrichten, und daran, den Schülern bereits früh in ihrer Bildungslaufbahn fundierte Mathematikkenntnisse zu vermitteln.

„Der Schwerpunkt muss bereits auf der Grundschulmathematik liegen. Die Ergebnisse in der Sekundarstufe, der Mittelstufe und der Oberstufe sind erstaunlich besser, wenn man auf die Beherrschung der Mathematik setzt“, betonte Andrew. „Schauen Sie sich Lettland, Finnland und Singapur an – dort wird überall auf die Beherrschung der Mathematik gesetzt. Dort wird schon früh der richtige Weg eingeschlagen.“

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